3 Fragen an...Konstanze Kaas

Etwas abseits der klassischen organisatorischen Fragen rund um das Jubiläum und die Beethoven-Jubiläumsgesellschaft wollen wir uns in unserer Interviewreihe “3 Fragen an...” den persönlichen Standpunkten und Interessen der BTHVN2020-Persönlichkeiten widmen.

Dieses Mal gehen die 3 Fragen an Konstanze Kaas, die als Projektleiterin in der Beethoven Jubiläums GmbH für die Organisation von verschiedenen Großveranstaltungen verantwortlich ist.

Als top ausgebildete, junge Frau hat sie einen ganz besonderen Blick auf die aktuelle Kulturszene und natürlich das Beethoven-Jubiläum.

 

 

Wie bist du nach Bonn zu BTHVN2020 gekommen? Was ist dein Werdegang?
Ich habe Jura und Musikwissenschaften in Wien und Musikästhetik in Graz an der Kunstuniversität studiert. Während des Studiums habe ich zahlreiche Praktika gemacht, unter anderem in der Dramaturgie der Oper Graz. Dort habe ich die Produktion der „Lucia di Lammermoor“ (Anm.: Oper von Gaetano Donizetti) unterstützt. Nebenberuflich habe ich als Musik- und Opernkritikerin geschrieben: Anfangs bei einer kleineren „Opern-Nerd“-Website und dann eine Zeit lang für die „Presse“, eine Österreich-weite Tageszeitung. Zusätzlich war ich bei diversen Festivals als Autorin für Einführungstexte tätig - für die Europäischen Wochen in Passau schreibe ich nach wie vor. 
Eigentlich bin ich nach Bonn zu BTHVN2020 gekommen, weil Dirk Kaftan meinen Partner von der Oper Graz abgeworben hat: Dieser war dort Korrepetitor und ist dann an die Oper Bonn als Studienleiter gekommen. Eines führte zum anderen und Dirk Kaftan wusste dann, dass auch ich eine Stelle suche. Weil er meine Ausbildungen kannte, hat er mir ans Herz gelegt, mich hier auf die Stelle der Projektleiterin zu bewerben. Das habe ich gemacht und bin dann tatsächlich hier gelandet, was auch wirklich gut zu meinem bisherigen Werdegang passt. 

 

Was hat für dich bisher das Beethoven-Jubiläum ausgezeichnet? Was war das Besondere? 
Was relativ oft in Bezug auf das Beethoven-Jubiläum genannt wird, ist die Vielfalt an Projekten - das ist natürlich auch für mich besonders. In meinem Job als Projektleiterin betreue ich eine irrsinnige Vielfalt an Formaten und mache nicht nur klassisches Konzertmanagement. Es ist alles dabei: Das intime Kammermusikkonzert – das erst vor wenigen Tagen in der Redoute Bad Godesberg mit dem renommierten Kammermusikensemble der Berliner Philharmoniker stattgefunden hat -, der staatstragende Festakt, zeitgenössisches Musiktheater, bis hin zu starbesetzten Sinfoniekonzerten. 
Ich konnte bisher mit sehr vielen Menschen arbeiten und an meinen Projekten wachsen. Als ich im letzten Jahr angefangen habe, dachte ich mir, dass die Organisation des Jubiläums-Konzertes leicht werden wird, weil ich dann schon ein Jahr dabei bin und gewisse Abläufe ja immer gleich bleiben. Dinge wie Vertragsrecht, zum Beispiel. Aber dann kam Corona und vieles war plötzlich anders. Ein weiterer besonderer Aspekt an unserem Jubiläum ist daher auch, dass wir nicht aufgegeben haben nur weil Corona gekommen ist. Das Virus ist auch uns mitten in die Planungen hineingegrätscht und hat uns einige Großprojekte gekostet. Aber das Team hat den Willen gefunden, weiterzumachen. 
Nachdem die Zuwendungsgeber die Mittelverwendung bis September 2021 zugesagt hatten, konnte auch eines meiner Herzensprojekte gerettet werden: Das TanzMusikDrama „BEETHOVEN? Der erlösende Fehler (...wo bin ich nicht verwundet, zerschnitten?!)“. Das ist so ein spannendes Projekt, das im kommenden Mai in der Bundeskunsthalle aufgeführt wird. Es stammt vom Komponisten Helmut Oehring, der in einem Haushalt mit gehörlosen Eltern aufgewachsen ist, und zeigt mit Kassandra Wedel eine gehörlose HipHop-Weltmeisterin in einer der Hauptrollen. 
Etwas, das ich ohne das Beethoven-Jubiläum wahrscheinlich nie erlebt hätte, war das Konzert mit dem London Symphony Orchestra und Star-Violinistin Lisa Batiashvili unter Leitung von Sir Simon Rattle. Nach dem Konzert waren wir gemeinsam im Tresorraum des Beethoven-Hauses und haben uns die dort gelagerten Handschriften von Beethoven angeschaut. Eines meiner persönlichen Highlights bisher!

 

 

Welche Herausforderungen siehst du speziell für Frauen in der Kulturszene? Welche Hürden gilt es noch zu überwinden, um Gleichberechtigung zu schaffen?
Die größte Herausforderung, die ich generell für Frauen in der Kulturszene sehe, ist, dass es in den leitenden Positionen einen zu geringen Frauenanteil gibt. Es wäre großartig hier 50 % zu erreichen und die „Gender Pay Gap“ zu beseitigen. Auch sind noch immer viele Stereotypien vorhanden. Ich finde, die Kulturszenen kann da insbesondere entgegenwirken, weil wir in einem freigeistigen Bereich arbeiten. Es ist schließlich die Aufgabe von Kunst, bestehende Strukturen aufzubrechen und nach vorne zu gehen. Das passt auch zu Beethovens Geist! 
Eigentlich befinden wir uns noch in sehr patriarchalischen Strukturen in der Kultur – ich habe mir dazu ein paar Zahlen herausgesucht: 2018 waren nur 20 % der deutschen Theater mit weiblichen Intendanten besetzt. Und von diesen 20 % sind die meisten Intendantinnen von kleineren Häusern. Das heißt, in den großen Theatern haben wir wirklich sehr wenige Frauen in leitenden Positionen. Auch interessant: 2019 waren insgesamt sieben Intendanzen im deutschsprachigen Raum ausgeschrieben und von diesen wurde nur eine von einer Frau besetzt. Also da gibt es schon noch viel zu ändern – es ist natürlich auch immer schwierig zu wissen, woran das liegt. Braucht es eine Quote? Es gibt durchaus Initiativen, die sich dafür einsetzen. Aber das Wichtige ist, dass man unterstützt und Strukturen bietet, in denen Frauen nach vorne kommen können. 
Oft ist es noch immer so, dass sich Frauen größtenteils um die Kinder kümmern. Wenn man da keine Voraussetzungen schafft, die kinderfreundlich sind, dann kann man auch keine Frauen in Leitungspositionen haben. Vielleicht sind wir irgendwann skandinavisch orientiert. Da ist es zum Beispiel gang und gäbe, in Orchestern Kinderbetreuung am Abend anzubieten.

 

Dieser Hoffnung schließen wir uns natürlich an! Allen, die einen Einblick in die erwähnten Zahlen wünschen und mehr zum Thema „Frauen in der Kultur“ erfahren wollen, empfehlen wir folgende Links:

 

Euer BTHVN2020-Blogteam
 

 


Über den Autor

Isabelle Trenkner

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