3 Fragen an...Dr. Johannes Plate

Etwas abseits der klassischen organisatorischen Fragen rund um das Jubiläumsjahr und die Beethoven-Jubiläumsgesellschaft wollen wir uns in unserer Interviewreihe “3 Fragen an...” den persönlichen Standpunkten und Interessen der BTHVN2020-Persönlichkeiten widmen.

Dieses Mal gehen die 3 Fragen an Dr. Johannes Plate, der als Programmreferent der Beethoven Jubiläums GmbH für die Förderprojekte zuständig ist und mit seinem Team die Beratung und Betreuung der Projektentwicklung übernimmt.

Da die Corona-Krise zu einem Wegfall vieler Veranstaltungen geführt hat, wurde im April offiziell die Verlängerung des Beethoven-Jubiläums bis einschließlich September 2021 beschlossen. Dadurch ist zurzeit bei BTHVN2020 vieles im Umschwung.

 

 

Es wurden insgesamt 450 Förderanträge eingereicht, rund 200 Förderprojekte genehmigt. Durch die aktuelle Corona-Krise werden nun auch viele dieser Veranstaltungen im Beethoven-Jubiläumsjahr betroffen sein. Wie wirkt sich dies konkret auf deinen Aufgabenbereich aus? Was hat sich für dein Team und die Fördernehmer geändert?
Wir haben uns sehr darüber gefreut, dass der Aufsichtsrat die Verschiebung der Projekte ins Jahr 2021 ermöglicht hat. Von den Fördernehmern haben wir dazu auch sehr positive Rückmeldungen erhalten. Sie haben nun die Möglichkeit, die Projekte anzupassen oder auch in das nächste Jahr zu verschieben. Da sind natürlich viele organisatorische Fragen zu klären: Ist das Projekt noch durchführbar? Findet man einen Aufführungsort? Kann man die Künstler, die man ursprünglich engagiert hatte, auch im nächsten Jahr wieder engagieren? Das ist natürlich sehr viel Arbeit und Organisation für die Projektträger. Dabei unterstützen wir als Team natürlich, sind im ständigen Austausch mit den Partnern und beantworten die entsprechenden förderrechtlichen Fragen. Das bedeutet also momentan auch auf BTHVN2020-Seite viel Arbeit, bringt aber auch Spaß, weil es dieses konkrete Ziel gibt, das Jubiläumsjahr und die vielen spannenden Projekte doch noch zu ermöglichen.


Was hat für dich bisher das Beethoven-Jubiläum ausgezeichnet? Was war das Besondere? Wie kann deiner Meinung nach die Idee des Jubiläums gerettet werden?
Wir haben das Jubiläumsjahr ja partizipativ konzipiert. Die ersten Monate haben gezeigt, dass wirklich ein Jubiläumsprogramm entstanden ist, bei dem die Projekte der freien Szene im besten Sinne gleichberechtigt neben denen der großen Kultureinrichtungen stehen und so ein gemeinsames BTHVN2020-Programm kreiert haben. Das hat uns die einmalige Möglichkeit gegeben, ganz unterschiedliche Ansätze zu vereinen. Mir ist zum Beispiel von Anfang Februar besonders ein Wochenende in Erinnerung geblieben: Am Freitagabend wurde im Kölnischen Kunstverein, mit der Ausstellung von Tony Conrad, eine Werkschau eines amerikanischen Experimentalkünstlers eröffnet. Am Samstag folgte in Bonn im Kunstverein eine neue Ausstellung des englischen Turner-Preisträgers Jeremy Deller, der einen neuen Film explizit für unser Jubiläumsprogramm in Bonn geschaffen hat – zusammen mit dem Beethoven Orchester Bonn. Und dann am Sonntag startete in Rolandseck im Arp-Museum die Ausstellung zu Salvador Dalí und dessen Beethoven-Werk. Das war eine große Bandbreite! Man hat auch an den Reaktionen der Besucher gemerkt, dass diese Idee, einen breiten Ansatz zu sehen und das „Beethoven neu entdecken“ aus unterschiedlichen Perspektiven zu füllen, aufgeht. Aus meiner Sicht ist ein wirklich einmaliges Jubiläumsprogramm entstanden und es wäre sehr schade gewesen, wenn das jetzt aufgrund dieser Corona-Krise verpufft wäre. Es ist eine großartige Nachricht, dass wir dieses Konzept jetzt weiterverfolgen und vieles ins nächste Jahr gerettet werden kann!


Was sind deine Wünsche für die Kulturszene für die Nach-Corona-Zeit? Welche Chancen siehst du trotz der schwierigen Situation?
In den ersten Wochen der Corona-Krise wurde ein bisschen der Eindruck vermittelt, dass die Kultur sehr weit hinten in der Prioritätenliste steht. In den letzten Tagen scheint sich dies jedoch geändert zu haben. Ich glaube, jetzt zeigt sich noch einmal, dass Kultur, der kulturelle Input an sich und der Austausch darüber eben auch ein Stück weit systemrelevant sind und zu den Grundbedürfnissen gehören, die die Menschen haben. Das Bewusstsein dafür, was es für eine tolle Kulturszene bei uns in Bonn und generell im ganzen Land gibt, hat sich noch einmal geschärft – dies betrifft auch die Sehnsucht danach wieder partizipieren, teilnehmen zu können. Wenn man zum Beispiel den Blick in die USA richtet, wo jetzt schon große Orchester freigestellt wurden, sieht man noch einmal, was unsere Struktur ermöglicht und erkennt den Stellenwert, den die Kultur in Deutschland immer noch hat. Ich hoffe natürlich, dass möglichst viele Künstler und Kreative gut durch diese Krise kommen und dass bei vielen, die das große kulturelle Angebot bei uns bisher als selbstverständlich hingenommen haben, auch nochmal das Bewusstsein dafür wächst, was für ein einmaliger Schatz das ist.

 

Dem können wir nur zustimmen und freuen uns gemeinsam mit unseren Partnern darauf, bald wieder die Jubiläumsfeierlichkeiten zu starten.

 

Euer BTHVN2020-Blogteam
 

 


Über den Autor

Isabelle Trenkner

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