World Beathoven Project: Internationale Künstler remixen Beethoven

Der Bonner Kulturmanager und DJ Darius Darek Roncoszek verbindet mit seinem World BEAThoven Project die Welten der klassischen und elektronischen Musik. Im Interview erzählt er ausführlicher von dem globalen Projekt.

Hier seht ihr zunächst den Image-Trailer:

 

 

Was ist der Ansatz des World BEAThoven Projects?
Mit dem Projekt will ich drei Ebenen berühren. Dabei handelt es sich um die Musikproduktion, die Präsentation und die politische Ebene. Diese drei Ebenen will ich so innovativ und außergewöhnlich wie möglich bearbeiten. An dem Projekt sind insgesamt 150 Kolleg*innen beteiligt. Auf der Produktionsebene verbinden wir drei Genres miteinander. Das ist die europäische Klassik, die außereuropäischen Klassik mit ihren außereuropäischen Instrumenten und das Genre der elektronischen Musik. Also der Clubmusik, der Beats orientierten Musik.

Wie können wir uns die Produktion vorstellen?
Beethovens Musik ist die Ausgangslage. Dabei handelt es sich natürlich um seine Werke. Aber viel Inspiration habe ich auch durch die Biografie erlangt. Dadurch, dass Beethoven 180 europäische Lieder arrangiert hat. Er hat aber auch aus Arbeiten von anderen Komponisten Zitate genommen und diese anders arrangiert. Zum Teil so, dass man sie nicht mehr erkennen konnte. Das war für uns der Anlass, seine Musik zu nehmen und heutigen Musiker*innen zu übergeben und sie damit arbeiten zu lassen.

Wie wählten Sie die Passagen aus?
Den Kollegen Felix Olhert, ein Sample-Library-Entwickler für den berühmten Komponisten Hans Zimmer, und Hans Joachim Büsching, der erste Klarinettist des Beethoven-Orchesters haben wir damit beauftragt, 20 Melodien aus Beethovens Werken auszusuchen. Dafür gab es fünf Vorgaben: Die „Hits“ von Beethoven zu bearbeiten, Motive zu wählen, die seine Verbindung zu Bach zeigen, einzelne Volkslieder zu bearbeiten, Vogelstimmen aus der 6. Symphonie zu ziehen und Beethovens Genie zu zeigen. So sind 20 Zitate aus Beethovens Werken herausgezogen worden. Diese 20 Melodien wurden dann von 15 professionellen Musiker*innen auf außereuropäischen Instrumenten, die es zu Beethovens Zeit hier in der Region noch nicht gab, aufgenommen. Darunter waren Instrumente wie eine chinesische Zither, das aus dem afrikanischen Raum stammende Balafon oder Saiteninstrumente aus Lateinamerika und dem arabischen Raum. Insgesamt wurden 18 Instrumente von den 15 Musiker*innen eingespielt. Eine Herausforderung bei der Produktion war, dass einige Melodien auf manchen Instrumenten gar nicht so einfach gespielt werden konnten. Das war sehr spannend, auch für die beteiligten Musiker*innen. Diese Aufnahmen / Samples wurden dann in eine große globale Datenbank gepackt.

 

Das ist aber noch nicht alles …
Ich habe dann 18 Producer weltweit angeschrieben, die ich zum Teil auch persönlich kenne, und gefragt, ob sie einen Remix erstellen wollen. Es sind geschätzte Kolleg*innen aus der „World Beat / Global Bass und Downtempo Szene“, einer Szene, die weltweite traditionelle Tunes mit Mitteln elektronischer Musik neu bearbeitet.

Sie haben auch Bonner eingebunden. Wie lief das?
Der 19. Remix ist eine Koproduktion mit vielen Bonner Beteiligten. Hier habe ich mich für einen anderen Produktionsansatz entschieden. Hierzu haben wir 500 Jugendliche per Losverfahren angeschrieben. Das geschah über eine Kooperation mit dem Bonner Amt für Bürgerbeteiligung. Die Jugendlichen sollten uns ihren Lieblingstrack nennen und angeben, welche Schule sie gerade besuchen. Daraus ließ ich von einem Statistiker ein repräsentatives Sample rausziehen. So wussten wir, das sind die Mitbürger*innen, die die Bonner Bevölkerung in diesem Alter abdecken. Aus den Informationen der Musikstücke haben wir dann einen Mittelwert erstellen lassen, von den Genres, der Geschwindigkeit sowie von der Tonart. Basierend auf diesen Daten haben wir dann einen Remix aus den Samples der „Ode an die Freude“ produziert. Den Bonner Soundtrack sozusagen, der am 16.12. als erste Single veröffentlicht wurde. Das ganze „World BEAThoven Album“ und die komplette Sampledatenbank erscheinen dann am 03. Januar 2020. Mitte 2020 werden vier Remixe noch hinzukommen, die in einem Wettbewerb ausgeschrieben wurden; eine Kooperation mit dem Arts Council England. Deadline für die Einreichung eigener Remixe ist der 29. Februar 2020.

Wie sieht dann im zweiten Schritt die Präsentation aus?
Die Weltpremiere des „World BEAThoven Albums“ haben wir zur Eröffnung des Beethoven-Jubiläumsjahres in der Bonner Altstadt und beim offiziellen Festakt in der Bonner Oper gefeiert. Die zweite Präsentation wird am 5. Januar in der Alten VHS stattfinden, einem selbstverwalteten Kulturzentrum mit innovativen Ansätzen. Hierzu werde ich Funk-Kopfhörer austeilen und mit den Remixen ein einstündiges Set spielen. Dabei hören die Gäste Musik über die Kopfhörer, während ich den Bass über einen Synthesizer abspiele, so dass man etwas hört, aber auch spürt. Ein neues Konzept der Musikwahrnehmung.

Sie planen auch noch eine Welttournee.
Ab Januar bis Ende April gehe ich auf Tour in Mittel- und Nordamerika. Danach spiele ich auf einigen Festivals in Europa. Und ab Ende Oktober bis Ende 2020 geht es nach Südostasien, Australien und Neuseeland. Überall dort werde ich vor allem auf Zero-Waste- und Transformational-Festivals präsent sein. Das sind Festivals, die sich mit dem heutigen Zustand der Welt beschäftigen, mit vielen Workshops, aber auch Musik. Wir werden auf all diesen Festivals die Remixe vorstellen, sowohl auf Bühnen als auch in einer selbst mitgebrachten "FreeBox". Dabei handelt es sich um einen frei zugänglichen Kleiderschrank, wo jeder Sachen reinlegen oder rausnehmen kann, wie Schuhe oder Hosen. Inspiriert ist die Idee von der "BonnBox", ein Bonner sozio-ökologisches Projekt, das sich der Reduktion von Abfall und dem Wiederverwerten von Ressourcen widmet. Hier lautet das Motto „Reduce_Remix_Reuse“ und schlägt eine Brücke zum „World BEAThoven Project“.

Was ist hierzulande noch geplant?
Am 10. Oktober 2020 wollen wir in der Bonner Brotfabrik einen Produzenten der Remixe vorstellen. Dabei handelt es sich um den Cellisten und Producer Andi Otto, der sein Instrument völlig neu erfunden hat. Er arbeitet mit elektronischen Dioden auf dem Cello-Bogen und zieht seinen Laptop als bespielbares Instrument hinzu. Danach tritt die Youth Brass NRW auf, eine Auswahl der besten Blasmusiker*innen aus NRW unter Leitung des Dirigenten Martin Schädlich. Für diesen Auftritt werden sie speziell für sie umarrangierte Stücke des "World BEAThoven Albums" spielen. Den zwei Auftritten folgt eine Party. Wir feiern an diesem Tag den 15. Geburtstag meiner Bonner Reihe „World Beat Party“.

Wird man in den Remixen Beethoven erkennen?
Beethoven-Kenner werden auf jeden Fall die Zitate erkennen. Aber es gibt auch Remixe, da hört man Beethoven auf Anhieb nicht. Das hat natürlich mit der künstlerischen Freiheit zu tun, die die Producer bei ihrer Arbeit hatten.

Gibt es auch Videos zu dem Projekt?
Wir haben natürlich auch Videos produziert, zum Beispiel vom Erstellen der Remixe oder bei den Aufnahmen der einzelnen Instrumente. Hinzu kommt eine Imagevideo zu dem gesamten Projekt. Am Ende gibt auch einen After-Movie, in dem die einzelnen Bausteine und die ganze Tournee präsentiert werden.

Sie haben Geografie studiert - wie kommt man da ins Musikgeschäft?
Ich habe meine Diplomarbeit über sozio-ökonomische Effekte von Musikfestivals in ländlichen Räumen geschrieben – und als Bassist und Tubist bin ich der Musik immer treu geblieben.

Weitere Infos zum Projekt und das ganze Album, dass mit einer Creative-Commons-Lizenz kostenfrei im Netz verfügbar ist, unter: http://www.taximundjal.com/beathoven.html

 


Über den Autor

Karoline Gaudian

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