Eine Historie der Hörhilfen

Musik und Schwerhörigkeit stehen im Widerspruch, zumindest auf den ersten Blick. Taube oder schwerhörige Menschen vermögen die Kraft einer Melodie oder den Zauber eines Liedes nicht zu genießen.

Ludwig van Beethoven verlor sein Gehör bereits in der Mitte seines Lebens und komponierte dennoch einige seiner bedeutendsten Werke in beinahe vollständiger Taubheit. Dass sich seine zunehmende Schwerhörigkeit trotz Hilfsmitteln wie z.B. der Verwendung von Hörrohren und Konversationsheften nicht besserte, ist tragisch.

Erstaunlich ist, wie lange es schon Hörhilfen gegen die Volkskrankheit «Schwerhörigkeit» gibt. In diesem Blogbeitrag wollen wir einen kurzen Überblick in die Geschichte der Hörhilfen geben.

 

 

Die wohl einfachste Methode das Gehör zu verstärken, ist die Hand hinters Ohr zu halten. So wird der Schall aufgenommen und akustisch verstärkt. Belege erster Hörrohre in Form von Tierhörnern stammen bereits aus der Antike (s. Foto). Jedoch erst um das Jahr 1800 begann die kommerzielle Fabrikation von Hörrohren. Für diese wurden verschiedene Materialien wie Elfenbein, Horn, Schneckenhäuser oder z.B. auch der Panzer von Schildkröten verwendet.

Der aus Regensburg stammende Mechaniker Johann Nepomuk Mälzel fertigte 1812 erste Hörrohre für Beethoven an. Vier hiervon sind noch im Beethoven-Haus in Bonn erhalten (s. Foto).   

 

 

Neben diesen doch optisch sehr auffallenden Hörhilfen gab es damals aber auch Konstruktionen, die handlicher und weniger sichtbar waren. Beispiele hierfür sind zum einen der Flüster- oder Unterhaltungsschlauch sowie das Taschenhörrohr, bzw. wegen seines Aussehens auch bezeichnete Saxophon (s. Fotos). Diese Hörhilfen ließen sich bequemer in der Tasche mitnehmen.

 

 

Mitte des 19. Jahrhunderts war man bemüht, die Hörhilfen immer kleiner und damit unauffälliger zu gestalten. Eine besonders modische, wenn auch noch nicht kleine Variante war zudem der Gehstock mit Hörrohr ( s. Foto). Als praktisches Accessoire konnte er lässig über die Schulter gehangen werden und diente somit gleichzeitig als Hörhilfe.

 

 

Erst 1910 entwickelte die Firma Siemens ein Gerät, das die Schallverstärkung direkt ans Ohr brachte. Mit der Einführung von Transistoren in der Mitte des 20. Jahrhunderts wurden die Hörhilfen kleiner und die ersten HdO-Geräte (Hinter-dem-Ohr-Geräte) waren geboren. Ergänzend hierzu sind die IO-Geräte (Im-Ohr-Geräte), die seit den 1980er Jahren auf dem Markt sind sowie die noch später eingeführten implantierbare Hörhilfen mit elektrischer Reizung.

Allererste Versuche einer elektrischen Reizung des Ohres wurden übrigens bereits zu Beethovens Lebzeiten vorgenommen. Beethoven selbst stand diesen Versuchen wohl aufgeschlossen gegenüber und hat vermutlich sogar als Proband bei galvanischen Versuchen seines Arztes Prof. Schmidt teilgenommen.

 

 

Die heutigen, volldigitalen Hörgerate können via Bluetooth kommunizieren, über Smartphone-Apps gesteuert und von Hörgeräte-Akkustikern online angepasst werden. Mit solchen Hörhilfen wäre Beethoven eine Teilhabe an der Alltagskommunikation definitiv möglich gewesen. Seine eigenen Kompositionen aber hätte er auch mit allen heuzutage verfügbaren Technologien nicht zufriedenstellend hören können.

Ausführlichere Informationen zu der Geschichte der Hörhilfen finden sich in dem wissenschaftlichen Beitrag von Werner Köttgen, der für das Symposium „sense of hearing“ entstanden ist und dort vorgetragen wird. Das Symposium der Beethoven Jubiläums Gesellschaft in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Bonn und dem Freiburger Institut für Musikermedizin findet am 16. und 17. Oktober in Bonn statt. Alle Inhalte des Symposiums werden taggleich auf der bthvn2020-Website abrufbar sein. Anmeldungen zum Symposium sind kostenlos. Zum Flyer. 

 


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Karoline Gaudian

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Kommentare

13.10.2020 | Konstanze

Danke für diesen tollen Blog. War sehr interessant zu lesen.

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